Zwei Stränge, die sich ergänzen

Das musikalische Angebot im Kirchenkreis wird breiter aufgestellt

Sie bringen zwei Stränge der Musik im Kirchenkreis zusammen: Jochen Pietsch (links) und Arne Hallmann. Foto: Andrea Hesse
Sie bringen zwei Stränge der Musik im Kirchenkreis zusammen: Jochen Pietsch (links) und Arne Hallmann. Foto: Andrea Hesse

„Die Rolling Stones erzählen das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Lady Gaga singt davon, dass sich Maria Magdalena in Judas verknallt hat. Bruce Springsteen sinniert über das zwischen Adam und Kain. Johnny Cash trifft sich im Himmel mit dem Apostel Paulus und Nena ist überzeugt: ‚Wunder gescheh‘n.“

Mit diesem Zitat aus dem Buch „Hits from Heaven“ von Uwe Birnstein eröffnete Superintendent Dirk Jonas Ende Mai seine Ansprache zur Einführung von Jochen Pietsch als Kirchenmusiker mit popularmusikalischem Schwerpunkt im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen und in St. Petri. „Die Pop-Welt … lässt sich von der Bibel und ihren uralten Geschichten inspirieren – höchste Zeit, dass wir es umgekehrt auch machen und das, was wir in der Welt zu verkündigen haben, in den Melodien und Rhythmen aus der ganzen Breite musikalischer Möglichkeiten deuten“, fuhr Dirk Jonas fort. „Das ist ein Gewinn.“

Seit Beginn des Jahres ist Pietsch auf seiner neuen Stelle tätig, und dass er ein Gewinn für das musikalische Leben im Kirchenkreis ist, ist vielfach erkennbar. Ein Gewinn ist auch die Wiederbesetzung des Kirchenkreiskantorats: Mit Arne Hallmann wurde Ende Juni ein Musiker in diesen Dienst eingeführt, der seit mehr als 20 Jahren als Kantor der Elisabeth-Kirchengemeinde auch im Kirchenkreis bekannt ist.

Lebendige Verkündigung

„Damit im Kreis der Musiker*innen eine oder einer ist, die oder der fordert und fördert, dass diese Dimension kirchlicher Verkündigung lebendig bleibt, nennen wir eine oder einen von ihnen Kirchenkreiskantor*in“, erläuterte der Superintendent in seiner Predigt zur Einführung in der Elisabethkirche in Langenhagen. „Du bist als Kirchenkreiskantor Gewährsmann dafür, dass – in welcher Stilrichtung auch immer, Klänge unser Herz weiten, um die Schönheit der Welt immer wieder zu spüren und zu begreifen in einer Welt, die auch so unschöne Seiten kennt.“

„Klassik und Popularmusik sind zwei Stränge der Kirchenmusik, die einander ergänzen“, sagen Arne Hallmann und Jochen Pietsch. Mit der Beauftragung eines Kirchenmusikers mit popularmusikalischem Schwerpunkt werde das musikalische Angebot im Kirchenkreis, das bislang überwiegend klassisch geprägt war, erweitert und könne neue Zielgruppen ansprechen. Wie gut das funktioniert, hat Jochen Pietsch bereits in den ersten sechs Monaten seiner Tätigkeit gezeigt: Zwei Workshops als „Schnupperangebot“ zur Gospelchorarbeit waren ausgebucht und erhielten begeisterte Resonanz. Nun arbeitet Pietsch daran, einen Kirchenkreis-Gospelchor in St. Petri Burgwedel aufzubauen. „Interessierte aus anderen Regionen haben mir gesagt, dass sie bereit sind, dorthin zu fahren“, freut sich der Kirchenmusiker. Er hat insbesondere drei Aspekte der Chorarbeit im Blick: das Miteinander-Wohlfühlen der Mitglieder, ein angemessenes Tempo des Lernens und eine für die Bedürfnisse des Chores sensible Leitung. Ein weiteres Projekt in Planung ist der Aufbau eines Bandprojektes in der Emmaus-Kirchengemeinde in Langenhagen. Zu beiden Vorhaben wird es nach den Sommerferien nähere Informationen geben.

Offen für Crossover-Projekte

Kirchenkreiskantor Arne Hallmann hat bereits einige Erfahrung mit der kirchenkreisweiten musikalischen Arbeit: Seit mehr als zehn Jahren war er als Beauftragter für die Ensemblearbeit im Kirchenkreis unterwegs, hielt Kontakt zu beruflich und ehrenamtlich tätigen Kirchenmusiker*innen und organisierte zahlreiche Konzerte, oft hatten dabei Projektchöre einen Auftritt. Mit dem Kirchenkreiskantorat hinzugekommen sind nun beratende Aufgaben, die Organisation von Fortbildungen, Visitationen und schließlich auch der Blick darauf, dass die mit der GEMA geschlossenen Verträge im Kirchenkreis eingehalten werden.

Offen für musikalische Crossover-Projekte sind sowohl Jochen Pietsch als auch Arne Hallmann: „Ich habe große Lust darauf, mal etwas gemeinsam mit Streicher*innen zu machen“, sagt Pietsch. Zur Frage nach der manchmal etwas überheblich daherkommenden Unterscheidung zwischen sogenannter E- und U-Musik hat er eine klare Überzeugung: „Auch die Unterhaltungsmusik kann Ernsthaftigkeit transportieren – wichtig ist es, authentisch zu bleiben in dem, was man tut.“ Er lade herzlich dazu ein, einfach mal Neues auszuprobieren und es vielleicht auch ganz anders zu machen als die Profis.