"Wo Abwertung zunimmt, wächst das Leid"
Lebensberatungsstelle veröffentlicht Jahresbericht 2025
„Die Welt war nie ein stabiler Ort. Doch in manchen Zeiten wird dieses Neu-Sortieren besonders spürbar – und besonders schmerzhaft. Auch 2025 erleben viele, wie der Ton rauer wird, wie Debatten in Gegensätze kippen und wie Menschen zunehmend in ‚dazugehörig‘ und ‚nicht dazugehörig‘ eingeteilt werden. Für viele Menschen bedeutet dies Verunsicherung, für manche existenzielle Angst.“
Mit diesen Worten beginnt Marie Klug, Leiterin der Lebensberatungsstelle in Langenhagen, ihre Einführung in den Jahresbericht der Einrichtung für 2025. Auf 15 Seiten zeigt der Bericht, wie sich die Arbeit der Mitarbeitenden am Bedarf der Klient*innen orientiert, wie sich die Zielgruppen verändern, welche Altersstruktur die Statistik der beratenen Personen zeigt und manches mehr.
„In einer Welt, die sich immer wieder neu sortiert, braucht es Orte, die Menschen helfen, sich selbst wiederzufinden“, schreibt Marie Klug weiter. „Die Lebensberatungsstelle versteht sich als ein solcher Ort. Hier geht es nicht um Herkunft, Etiketten oder Zuschreibungen, sondern um Menschen mit ihren Geschichten, Verletzungen und Möglichkeiten. Unsere Arbeit folgt bewusst einer anderen Logik als viele gegenwärtige gesellschaftliche Strömungen. Während in öffentlichen Debatten häufig vereinfacht, ausgegrenzt und polarisiert wird, setzen wir auf Differenzierung, Empathie und Beziehung. Wir erleben täglich, wie zerstörerisch es ist, wenn Menschen auf Herkunft, Meinungen oder Zuschreibungen reduziert werden – und wie befreiend es sein kann, wenn sie als ganze Personen gesehen werden.
Diese Haltung ist kein Luxus. Sie ist notwendig. Wo Abwertung und Ausschluss zunehmen, wächst das Leid. Darum schaffen wir Räume, in denen Würde nicht verhandelbar ist und Vielfalt als gelebte Wirklichkeit willkommen bleibt. So blicken wir auch in diesem Jahr mit Zuversicht nach vorn – nicht, weil alles leicht wäre, sondern weil Begegnung, Respekt und echtes Zuhören immer wieder neue Wege eröffnen. Dafür danken wir allen, die diese Arbeit mittragen und unterstützen.“
Die Lebensberatungsstelle in Langenhagen ist eine Einrichtung in Trägerschaft des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen. Sie nahm im Oktober 1994 ihre Arbeit auf; damals mit vier Mitarbeitenden. Gefördert wird die Beratungsarbeit von der Stadt Langenhagen und der Region Hannover.