Eine letzte Ruhestätte für alte Bibeln

Foto: Andrea Hesse

Ein kleiner Kreis von Menschen kam jetzt auf dem Bissendorfer Friedhof zu einem besonderen Anlass zusammen: Gemeinsam mit Pastor Maik Schwarz feierten sie eine Andacht, in deren Rahmen alte Bibeln beerdigt wurden.

„Für mich ist eine Bibel ein besonderes Buch. Ich scheue mich, sie wegzuwerfen, auch wenn ich sie nicht mehr verwenden kann“, sagte Maik Schwarz in seiner Ansprache. „Aber sie einfach zu Hause herumliegen zu lassen und sie vielleicht dem nächsten zu übergeben, der nach mir das Haus bewohnt – das kann auch nicht die Lösung sein. Ich möchte Verantwortung übernehmen.“

So sahen das auch die Menschen, die an der Andacht teilnahmen und zum Teil auch Bibeln mitgebracht hatten. Etwa die Bissendorferin, die nach dem Tod ihres Mannes im Keller eine Bibel von 1885 aus seiner Familie gefunden hatte. Sie könne dieses Buch nicht behalten, erzählte sie im Gespräch; gleichzeitig aber könne sie es auch nicht wegwerfen. Auf dem Bissendorfer Friedhof konnte sie die Bibel in eine eigens ausgehobene letzte Ruhestätte unter einem Baum legen.

Foto: Andrea Hesse

„Heute legen wir alte Bibeln zur Ruhe, die uns und unsere Familien viele Jahre begleitet haben. Mit ihnen verbinden wir schöne Erinnerungen, vielleicht auch schwere Momente, als wir aus ihnen in der Zeit der Not gelesen und Trost erfahren haben“, so Maik Schwarz im Gebet. Nun sei es an der Zeit, sich zu verabschieden, da heute oft neuere Auflagen und auch digitale Versionen den Menschen Gottes Wort näherbrächten.

Zu Orgelmusik wurden die Bibeln, unter ihnen auch einige Bücher, die durch einen Wasserschaden zerstört worden waren, in ein weißes Tuch eingeschlagen und in ihre Ruhestätte hinabgelassen. Mit einem gemeinsam gebeteten Vaterunser und dem Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“ schloss die Andacht.