„Die Kinder wollten alles wissen“

Arne Hallmann begrüßte Orgelentdecker*innen in der Elisabethkirche

Foto: Andrea Hesse

Zum elften Mal luden jetzt die „Orgelentdeckertage“ in der Landeskirche Hannovers dazu ein, die Orgel, ein UNESCO-Welterbe, näher kennenzulernen. Verteilt auf zwei Wochen wurden landeskirchenweit mehr als 6.000 überwiegend junge Teilnehmer*innen in den Kirchen begrüßt. An mehr als 70 Orten in Niedersachsen luden Kirchenmusiker*innen Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene dazu ein, die Orgel zu entdecken – bei Orgelführungen, in Orgel- und Pfeifenbau-Workshops, in Konzerten und weiteren Veranstaltungen rund um die „Königin“ der Instrumente.

In der Elisabethkirche in Langenhagen begrüßte Kreiskantor Arne Hallmann insgesamt vier Klassen aus der Hermann-Löns-Schule, der Grundschule Godshorn und der IGS Langenhagen, aufgeteilt auf mehrere Gruppen, an „seiner“ Orgel. 2.300 Pfeifen habe das Instrument, berichtete er den aufmerksam zuhörenden Kindern. Jede Pfeife sei ein bisschen wie eine Blockflöte – mal riesengroß, mal winzig klein. „Da aber in einer Orgel kein Mensch sitzt, der wie bei einer Flöte die Löcher auf- und zuhalten kann, brauchen wir für jeden Ton eine eigene Pfeife“, erklärte Hallmann die große Zahl.

In die Hand nehmen durften die Kinder eine mächtige Pfeife, hineinpusten aber nicht. „Die ist aus Zinn und Blei gemacht, und Blei ist giftig“, so der Kantor. Früher hätten sich Orgelbauer beim Hineinpusten in viele Pfeifen oft selbst vergiftet.

Foto: Andrea Hesse

An die Abläufe im Innern der Orgel tasteten sich die Kinder der Klasse 3a der Hermann-Löns-Schule, die mit ihrer Klassenlehrerin Bettina Meißner in die Kirche gekommen waren, am Spieltisch heran. Register ziehen, Tasten anschlagen – und doch kein einziger Ton? Nach dem Einschalten des Motors, der für den nötigen Luftstrom sorgte, kamen sie dann, die tiefen, brummenden ebenso wie die hohen, fast klirrenden Töne. Erstaunlich auch, wie sie sich durch das Ziehen von Registern veränderten – bis hin zu Tönen, die auch von einer Ente stammen könnten. Jedes Kind durfte sich auf die Orgelbank setzen und ausprobieren, wie es sich anfühlt, das mächtige Instrument zum Klingen zu bringen.

„Die Kinder haben mir ganz viele Fragen gestellt, wollten alles wissen – das war außergewöhnlich“, stellte Arne Hallmann nach dem anderthalbstündigen Besuch aus der Hermann-Löns-Schule fest. Zuvor hatte er schon kräftigen Applaus für „Lobe den Herrn, meine Seele“ bekommen sowie eine vielversprechende Ankündigung: „Wir wollen Herrn Arne nochmal besuchen!“

Die Orgelentdeckertage

Die Orgelentdeckertage haben sich seit 2016 zu einem der deutschlandweit erfolgreichsten Projekte für Kirchenmusikvermittlung entwickelt: Rund 1.000 Veranstaltungen gab es seit der Premiere und über 32.000 Besucherinnen und Besucher haben an den unterschiedlichen Formaten teilgenommen, darunter 29.000 Kinder und Jugendliche.

Organisiert werden die Orgelentdeckertage seit elf Jahren von VISION KIRCHENMUSIK, dem Fachbereich für Musikvermittlung in der Landeskirche Hannovers, der Orgelakademie Stade und den Kirchenmusiker*innen vor Ort. Ziel ist es, dass Interessierte die Pfeifenorgel mit ihren enormen Ausmaßen, ihrer komplexen Bauweise, den vielfältigen Klangfarben und der besonderen Musik neu oder näher kennenlernen.