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Ungewohnte Begegnungen

Wanderausstellung „Typisches und Sakrales“ in der Christophoruskirche



Sonntag, 10 Uhr, Gottesdienst in der Christophoruskirche in Altwarmbüchen. Die Kirche hat sich mit Menschen gefüllt, darunter sind einige, die hier noch niemand gesehen hat. Neben einer Bank kniet ein Bauarbeiter in fleckiger Arbeitshose und betet, am Taufbecken steht ein Korb, in dem ein Säugling schläft. Ein kleines Mädchen liegt neugierig bäuchlings auf dem Altar, ein Schwarzer trägt Nadelstreifen und Aktentasche, und ein Tourist in kurzer Hose und Latschen betrachtet die Kirchendecke.

So oder so ähnlich können es Kirchenbesucherinnen und -besucher von Mitte Juni bis Mitte Juli in der Christophoruskirche erleben: Die Gemeinde holt die Wanderausstellung „Typisches und Sakrales“ in ihre Kirche. Zwölf lebensgroße Skulpturen aus Polystyrol bilden diese Ausstellung, die eigens für Kirchenräume konzipiert wurde. Die namenlosen Figuren decken ein breites Spektrum an Typen ab: Frauen, Männer und Kinder aus verschiedenen Nationalitäten und Milieus mischen sich unter die Menschen aus dem Ort und die Ausstellungsbesucher aus der Region – ungewöhnliche Begegnungen werden hier möglich.

Die Wanderausstellung „Typisches und Sakrales“ ist in den Jahren 2005/2006 im Rahmen der Initiative „Kirchen öffnen“ der Evangelischen Erwachsenenbildung in Sachsen entstanden und wanderte dort bis 2008 durch zahlreiche Gemeinden der Landeskirche. Gefertigt wurden die Skulpturen in Dresden in einer Theaterplastik-Werkstatt; 2008 erwarb dann das Arbeitsfeld Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste in Hannover die Skulpturen und verleiht sie seither als eigene Wanderausstellung an interessierte Kirchengemeinden – allerdings nur noch bis Herbst dieses Jahres.

Die Begegnung mit den ungewohnten Gästen in der Kirche kann viele Fragen anstoßen: Welche Begegnungen sind mir unangenehm, welche machen mir Freude? Wen erwarte ich in der Kirche, und wer überrascht mich? Welche Geschichte ordne ich diesen Personen zu, finde ich mich darin vielleicht auch selbst wieder? Starre Menschenbilder kommen in Bewegung – die Skulpturen verändern den Raum und seine Wahrnehmung. Vertrautes wird fremd und will neu gesehen werden: „Dies ist ein geweihter Raum! Bitte nicht den Altarplatz mit Tänzerin und Kind entweihen“, schrieb ein Besucher der Ausstellung in der Kreuzkirche Dresden im Sommer 2006. Eine Besucherin dagegen notierte, dass gerade in diesem Bild kindlicher Neugier und jugendlicher Unbefangenheit das Lebendige an ihrer Kirche sichtbar werde.

Ihrem Anspruch nach will evangelische Kirche offen und dialogfähig sein – für alle gesellschaftlichen Gruppen. Die Ausstellung hinterfragt dieses Ideal kritisch und zeigt gleichzeitig anschaulich, wie der Weg zum Dialog eröffnet werden kann.

Die Wanderausstellung „Typisches und Sakrales“ in der Christophoruskirche an der Bernhard-Rehkopfstraße in Altwarmbüchen wird eröffnet im Gottesdienst am Sonntag, 17. Juni, 10 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung dann bis zum 22. Juli auch außerhalb der Gottesdienste zu folgenden Zeiten: dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr. Darüber hinaus werden andere Zeiten und Gruppenführungen nach vorheriger Absprache im Gemeindebüro angeboten (Telefon 0511 – 61 22 21).

 

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Martin Bergau
Superintendent