Zukunft gestalten: Anfänge im Glauben
Kirchenkreissynode befasst sich mit Schwerpunktsetzung und Priorisierung
Seit Jahren verlieren die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und mit ihr die Kirchengemeinden und Kirchenkreise in jedem Jahr etwa drei Prozent ihrer Mitglieder. Auch die Zahlen der Gottesdienstbesucher*innen, der Taufen, Konfirmationen, Trauungen und kirchlichen Beerdigungen gehen zurück; zudem wird die hannoversche Landeskirche bis zum Jahr 2025 etwa 30 Prozent ihrer Ausgaben gegenüber dem Jahr 2025 einsparen müssen.
Vor diesem Hintergrund stellten Thorsten Lins und Sebastian Stein aus dem Planungs- und Strukturausschusses (PSA) der Kirchenkreissynode Burgwedel-Langenhagen jetzt während deren Herbstsitzung in St. Michaelis Bissendorf das Aktenstück 104 B der hannoverschen Landeskirche vor. Das im Mai 2025 von der Landessynode verabschiedete Dokument beschreibt den Stand des Zukunftsprozesses in der Landeskirche; der PSA hatte sich unter dem Aspekt der Anwendbarkeit im Kirchenkreis mit dem Aktenstück befasst.
Arbeit in den Gemeinden muss priorisiert werden
„Wir erleben einen tiefgreifenden Wandel in unserer Kirche und damit erhebliche Herausforderungen“, erklärte Lins, Vorsitzender des PSA. „Das ist auch eine Chance, Kirche neu zu denken mit dem Ziel, eine lebendige, zukunftsfähige Kirche zu gestalten, die Menschen erreicht, inspiriert und stärkt.“ Die von der Landessynode definierte Schwerpunktsetzung „Anfänge im Glauben“ solle den Glauben auf neuen Wegen zugänglich machen; dafür müsse die Arbeit in den Gemeinden auf diesen Schwerpunkt ausgerichtet und entsprechend priorisiert werden.
Im Aktenstück 104 B sei bereits eine Reihe von Leitfragen zur Schwerpunktsetzung formuliert, erklärte Sebastian Stein vor der Kirchenkreissynode. In einem Zehn-Punkte-Plan seien dazu zentrale Schritte für die Weiterarbeit in den Jahren 2025 und 2026 formuliert.
Unter anderem folgende Fragen aus dem Aktenstück seien vom PSA bewertet, mit ersten Gedanken versehen und zur weiteren Bearbeitung verschiedenen Gremien im Kirchenkreis zugeordnet worden:
- Welches Konzept der Tauf- und Segenspraxis entwickelt der Kirchenkreis?
- Geschehen „Anfänge im Glauben“ in ökumenischer Sensibilität und interreligiösem Austausch? Sind andere Kulturen im Blick?
- Welchen Beitrag leistet die Kirchenmusik in ihrer Vielfalt für den Schwerpunkt?
- Wie kann die Schnittstellenarbeit zu Schulen, Kitas, diakonischen Einrichtungen usw. ausgebaut werden?
- Wie wird vom Glauben in elementar zugänglichen Bildern und Texten gesprochen?
- Welcher Teil des Haushalts ist für die Förderung von Glaubensanfängen reserviert?
Richtschnur, nicht Korsett
Dr. Johannes Keymling, Synodaler aus der Wedemark und Mitglied der 26. Landessynode, erklärte, die Landessynode wolle mit den Vorgaben des Aktenstückes erreichen, dass die Planungen der Kirchengemeinden und -kreise nicht einfach unter Sparvorgaben fortgeschrieben würden. „Es geht darum, zu klären: Was machen wir eigentlich, was wollen wir weglassen oder neu machen, wofür brauchen wir unbedingt Geld.“ Die formulierten Leitfragen seien für diesen Prozess eine wunderbare Anleitung – und als Richtschnur zu verstehen, nicht als Korsett.
Torsten Kröncke, Pastor aus Langenhagen, zeigte sich irritiert: „Haben wir hier nicht eine Doppelung? In der Region sind wir doch bereits dabei, Schwerpunkte zu identifizieren.“ Dies müsse kein Widerspruch sein, erklärte Superintendent Dirk Jonas: „Versucht, das Aktenstück als Anregung zu sehen, als einen Rahmen, in den wir unsere schwerpunktmäßige Arbeit hineinstellen können.“
Die Kirchenvorstände und Einrichtungen im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen sind nun aufgefordert, die ersten Ideen des PSA zur Umsetzung des Aktenstückes 104 B und des Vorgänger-Aktenstückes 104 A zu diskutieren und ihre Bestandsaufnahme bis zum 20. März 2026 an den PSA und den Superintendent zu übersenden.
Aktenstücke 104 A und B
„Sperren Sie uns nicht aus“
In einem weiteren Tagesordnungspunkt der Synodensitzung in Bissendorf sprach Gabriele Wolff aus der Wedemark als Gast das Thema Barrierefreiheit in kirchlichen Gebäuden an: „Ich habe Kirche so erlebt, dass sie, anders als immer behauptet, ihre Arme nicht geöffnet hat.“ Bei einer kirchlich-diakonischen Veranstaltung habe es weder eine Information zu vorhandenen Barrieren noch Behindertenparkplatz oder -WC gegeben; schließlich sei ihr auch der Zugang zum Veranstaltungsraum nicht gelungen: „Die Tür war zu schmal für meinen Rollstuhl.“
„Sperren Sie uns als Menschen nicht aus, und sagen Sie nicht immer, es seien ja gar keine Behinderten da – dort, wo sie nicht hineinkommen, stehen die nicht vor der Tür und warten auf ein Wunder“, appellierte Wolf an die Synodalen. „Vergesst die Menschen nicht, die Kirche ganz besonders brauchen und die nicht alle so dickfellig sind wie ich.“
Sabine Behrens, Pastorin aus Langenhagen und Vorsitzende des Diakonie-Ausschusses, reagierte mit dem Vorschlag, aus dem Ausschuss heraus eine Arbeitsgruppe zur Barrierefreiheit zu gründen. Die AG solle für das Thema sensibilisieren und mit Gemeinden ebenso wie mit betroffenen Personen ins Gespräch gehen. Wer Interesse an einer Mitarbeit in der Arbeitsgruppe hat, erreicht Sabine Behrens per Mail an Sabine.Behrens@evlka.de.
Auch Tilmann de Boer, Vorsitzender der Kirchenkreissynode, versprach, das Thema Barrierefreiheit mitzunehmen.
