Dumelang – Agee?
Ein Reisebericht aus Südafrika von Sabine Herzig und Sebastian Loebelt
Dumelang – Agee? Wenn man in Südafrika, insbesondere in und um den Partnerkirchenkreis Odi, in Pretoria oder Rustenburg, diese Worte zur Begrüßung in der typischen Landessprache Setswana benutzt, zeigt sich bei den Menschen vor Ort ein Lächeln und sie freuen sich auf die Begegnung miteinander. Bald wird gemeinsam gesungen, getanzt und gebetet.
Eine kleine Delegation mit fünf Mitgliedern aus dem Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen machte sich Mitte Dezember 2025 auf den Weg in den evangelisch-lutherischen Partnerkirchenkreis Odi in Südafrika, um das „Goldene Jubiläum“ der ELCSA, der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika, mit den Partner*innen vor Ort in Rustenburg zu feiern. Mit dabei waren Tilmann de Boer (Vorsitzender der Kirchenkreissynode), die Partnerschaftsvorsitzende Dörte Behn-Hartwig, Peter Hartwig (Mitglied im Ausschuss für Mission, Ökumene und Partnerschaft), Sebastian Loebelt als Gastgeber von Odi-Besucher*innen zum Kirchentag in Hannover und Sabine Herzig, die sich, wie andere Mitarbeitende der evangelischen Kita in Isernhagen, als Mentorin um Freiwilligendienstleistende aus Odi kümmert.
Anschaulich schildert Sabine Herzig ihre Reise nach Südafrika: „Wir wurden am Flughafen in Johannesburg von Dean Labius Motlogelwa Moshoete und Vincent Tlhoaele abgeholt und erlebten schon in den ersten Tagen, wie und wo Christinnen und Christen in einem flächenmäßig riesigen Kirchenkreis zum Gottesdienst zusammenkommen. Wir wurden überall herzlich empfangen, man merkte immer wieder, dass diese Partnerschaft schon lange besteht und besonders Dörte Behn- Hartwig und ihr Mann Peter schon sehr viel Engagement eingebracht haben. Man konnte dies immer wieder spüren und erleben.
Ein Ritual ist in jeder Gemeinde, dass wir uns gegenseitig vorstellten, sangen und für und miteinander beteten. Mich persönlich haben diese Begegnungen sehr bewegt, zumal dabei die Arbeit mit den Freiwilligen, die zu uns nach Isernhagen in die Kita kommen und Freiwilligendienst leisten, auch immer wieder Thema war. Mir wurde durch den Einblick in ihre Lebenswelt manches verständlicher und deutlicher – Partnerschaft lebt von Begegnungen und dem gemeinsamen Verstehen.
Wir wurden in den Gemeinden überall sehr gastfreundlich aufgenommen und mit Frühstück, Mittagessen oder Abendbrot versorgt. Auch die Unterbringung erfolgte bei verschiedenen Gemeindemitgliedern. Dabei kam es zu intensiven Gesprächen, freundschaftlichen Begegnungen und sogar kleinen Spracheinheiten in Deutsch und Setswana. Wir konnten genau spüren, dass die Partnerschaft mit Odi gelebte Ökumene ist und ein kultureller Austausch stattfindet. Dies wurde besonders deutlich, als wir nach Rustenburg aufbrachen und vier Tage lang an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum des Gründungtages der ELSCA teilnahmen. An diesem Gründungstag schlossen sich mehrere lutherische Regionalkirchen zusammen und gaben sich eine gemeinsame Verfassung.
Tausende Menschen kamen zusammen, dabei wurden hoffnungsfrohe und fröhliche Gottesdienste mit kraftvoller Chormusik gefeiert und ein Gala-Dinner zelebriert. Dankbar blickten die Menschen dabei auf die Geschichte zurück und schauten gleichzeitig hoffnungsvoll in die Zukunft. Es war sehr beeindruckend, daran teilzunehmen und auch ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Mit Dankbarkeit schaue ich auf diese Zeit zurück."
An eine unvergessliche Reise erinnert sich auch Sebastian Loebelt: „Innerhalb von vier Tagen besuchten wir insgesamt zehn Gemeinden und es gab überall etwas zu erfahren und zu erleben: über die Geschichte und den aktuellen Stand der Kirchen und die absolut fantastische Gastfreundlichkeit, und überall konnten wir lernen, wie Kirche funktionieren kann. Es wurde herzlich begrüßt, stimmgewaltig gesungen, lecker gespeist, alte Bekanntschaften wurden aufgefrischt und neue Freundschaften geschlossen.
Es gab auch Ungewohntes zu sehen: die prekäre Situation der Wasserversorgung im ländlichen Raum – wer keinen Regentank auf seinem Grundstück hat, bekommt schnell Probleme mit der Wasserversorgung für Toilettenspülung oder um Kleidung zu waschen; die Umweltverschmutzung – was der Mensch an (Plastik-)Müll produziert, bleibt bergeweise am Straßenrand liegen; den Verfall von Gebäude wie Kirchen und Kindergärten, weil die Instandhaltung nicht praktiziert wird und/oder die finanziellen Mittel fehlen.
Die Feier zum Jubiläum wurde mit einem Willkommensgottesdienst im Gemeindezentrum Tlhabane in Rustenburg begangen; weiter mit einem Gottesdienst mit Buchvorstellung und Erinnerungen der 17 Gründungsmitglieder bzw. ihrer Angehörigen und einem Gala-Dinner in der Stadthalle Rustenburg. Etwa 800 Gäste erlebten eine mitreißende Weinauktion, hörten italienische Arien, feierten begeistert.
Am dritten Tag folgte eine mehr als achtstündige Präsentation aller Chöre der Gemeinden und am Folgetag schließlich der Abschlussgottesdienst mit ca. 6.000 Gläubigen im Olympiastadium. Zum Ende bat der „presiding bishop“, der Vorsitzende der Bischofskonferenz in Südafrika, Bischof Myaka, uns um ein gemeinsames Foto!
Noch einige Wort zu den Gottesdiensten in Afrika: Es wird gepredigt, gesungen, getanzt, gelacht, gejubelt, Kraft und Hoffnung getankt. Gottesdienst heißt hier soziale Kommunikation über mehrere Stunden. Gottesdienst heißt: Feiere das Leben, feiere Jesus!“
