Anhaltender Winter verschärft humanitäre Not
Ukraine: Überleben hunderttausender Mensch ist gefährdet / Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden
Der russische Überfall auf die Ukraine, der sich am 24. Februar zum vierten Mal jährt, hat rund 15 Millionen Menschen tief traumatisiert. Angriffe auf die Energie-Infrastruktur gefährden bei anhaltender Winterkälte das Überleben hunderttausender Menschen. Um das Leid zu mindern, setzt das evangelische Hilfswerk „Diakonie Katastrophenhilfe“ ein zusätzliches Winterhilfe-Programm um und weist gemeinsam mit dem evangelischen Entwicklungswerk „Brot für die Welt“ auf die langfristigen sozialen Folgen des Krieges in der Ukraine hin.
Der Beschuss von Energieanlagen durch Russland hat die humanitäre Lage verschärft. „Hunderttausende Menschen sind seit vielen Wochen bei Minusgraden ohne Strom, ohne Wasser oder ohne Heizung. Die Kälte wird in dieser Phase des Krieges als Waffe eingesetzt, um die Menschen zu brechen“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. „Mit diesem Vorgehen hat der Krieg eine neue Dimension erreicht, die unverhältnismäßig viel Leid für die Zivilbevölkerung erzeugt und völkerrechtswidrig ist.“ Mit Blick auf Gespräche zwischen Russland und der Ukraine sagt Martin Keßler: „Der Schutz der Zivilbevölkerung darf nicht Verhandlungsmasse sein, sondern ist völkerrechtlich vorgeschrieben.“
Ein Ende des außergewöhnlich kalten Winters ist noch nicht in Sicht. „Mit einem zusätzlichen Winterhilfe-Programm unterstützen wir mehr als 700 Familien in Kyjiw und Dnipro. Mit Gutscheinen können Familien Brennstoff, Reparaturmaterial oder Kleidung gegen die anhaltende Kälte kaufen“, sagt Andrij Waskowycz, Büroleiter der Diakonie Katastrophenhilfe in Kyjiw. Die Maßnahmen ergänzen laufende Hilfsprojekte, die unter anderem Evakuierungen, die Reparatur von Wohnraum oder verstärkte psychosoziale Maßnahmen beinhalten. „Mindestens 15 Millionen Menschen sind durch den Krieg traumatisiert. Das hinterlässt tiefe Spuren in der gesamten Gesellschaft“, sagt Waskowycz.
Geld für humanitäre Hilfe konzentriert sich zunehmend auf die Frontregionen, während Hilfsprogramme in zentraleren Teilen der Ukraine zurückgehen. Dort suchen die meisten der rund 3,6 Millionen Binnenvertriebenen Schutz. „Die Suche nach Hilfe wird zu einem gefährlichen Pull-Faktor, wenn viele Vertriebene eine Rückkehr in frontnahe Gebiete in Betracht ziehen. Hilfe muss daher in der gesamten Ukraine geleistet werden, um das zu vermeiden“, warnt Waskowycz.
Brot für die Welt fördert in der Ukraine aktuell 15 lokale Partnerorganisationen, die unter anderem zu geschlechtsspezifischer Gewalt, HIV- Prävention oder psychosozialer Betreuung arbeiten. „Diese Probleme sind mit dem Krieg nicht verschwunden, sondern weiterhin eine enorme Herausforderung“, sagt Vitaliy Mykhaylyk, der das Rehabilitationszentrum St. Paul in Odessa leitet und von Brot für die Welt unterstützt wird.
„Hunderttausende Soldaten wurden verletzt oder getötet. Das reißt tiefe Wunden in die Familien und verstärkt gesellschaftliche Probleme“, sagt Mykhaylyk und beklagt fehlende Kapazitäten. „Wir bilden Freiwillige fort und stärken sie, um Erschöpfungssyndrome frühzeitig zu erkennen und Burnout vorzubeugen. Viele Helfer*innen haben ihre Belastungsgrenze längst erreicht.“
Die Diakonie Katastrophenhilfe hat seit 2022 rund 79 Millionen Euro an Spenden für die Ukraine-Hilfe erhalten und eingesetzt. Zusätzlich erhält das evangelische Hilfswerk Mittel des Auswärtigen Amtes für humanitäre Hilfe. Das verstärkte Engagement europäischer Länder reicht trotzdem nicht aus, um die durch den Rückzug der USA entstandene Lücke zu schließen.
Spenden für die Menschen in der Ukraine
Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden für die Menschen in der Ukraine:
Diakonie Katastrophenhilfe
Evangelische Bank, IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
Stichwort: Ukraine-Krise
Ein Online-Spende ist möglich auf www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/
