Es tut gut, Gedanken zu teilen

Flughafenseelsorge im ehrenamtlichen Terminal-Einsatz

Die Flughafenseelsorge wird getragen von einem Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen um Flughafenpastor Ulrich Krämer (5. von links). Foto: Andrea Hesse
Die Flughafenseelsorge wird getragen von einem Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen um Flughafenpastor Ulrich Krämer (5. von links). Foto: Andrea Hesse

Langenhagen. Es ist der erste Tag der Sommerferien und mit einem Kollegen der Flughafenseelsorge am Hannover Airport bin ich für einen ehrenamtlichen Einsatz am Abflug-Terminal verabredet. Wir treffen uns im Büro der Flughafenseelsorge und füllen die Fächer unseres Trolleys mit kleinen Tütchen voller Weingummiflugzeuge, mit blauen Luftballons, Lesezeichen, Reisesegenheftchen, Papierfliegern – alles mit dem Logo der Flughafenseelsorge. Und auch Infoflyer sind mit dabei.

Mit speziellen Ausweisen und nach einer Sicherheitskontrolle sind wir auch schon im Sicherheitsbereich des Terminals C, wo heute ganz besonders viele Ferienflieger starten. Die Passagiere warten auf den Boarding-Aufruf und begrüßen die Abwechslung durch unser Erscheinen mit dem blauen Trolley mit interessierten und neugierigen Blicken. Wir schwärmen aus und gehen durch die Reihen der Wartenden. Als ich mich vorstelle und lächelnd mit Wünschen für einen guten Flug und schöne Ferien kleine Weingummiflugzeugtütchen verteile, gibt es allseits überraschte, erfreute Gesichter und ein freundliches Dankeschön. So viele positive Reaktionen machen mir Freude und Spaß, das kenne ich schon von anderen ehrenamtlichen Einsätzen der Flughafenseelsorge.

Schnell entwickelt sich das eine oder andere kurze Gespräch, wohin die Reise geht, ob es der erste Flug für die kleinste Passagierin der Gruppe ist, wie gut es bei den heutigen Temperaturen von über 30 Grad ist, dass die Urlauber frische Meeresluft erwartet, was die Aufgaben der Flughafenseelsorge sind oder wo sich die Flughafenkapelle befindet. So mancher nimmt sich vor, die Kapelle im Ankunftsbereich, die ein friedlicher Ruhepol im hektischen Getümmel des Flughafens ist, einmal zu besuchen.

Ab und zu berichtet ein Fluggast auch von kleinen und größeren Sorgen und Nöten, da leidet jemand unter schlimmer Flugangst und ist erleichtert, das auszusprechen, und er oder sie kann ein bisschen Anteilnahme und Aufmunterung gerade gut zur Entlastung gebrauchen. Da ist jemand mit Sorgen um ein scheues Haustier, das daheim hoffentlich gut versorgt wird. Eine Frau hat ein sehr unsicheres Gefühl, sich im Flughafengebäude aufzuhalten – es scheint ihr in den Zeiten von Nachrichten über Terroranschläge ein sehr gefährlicher Ort zu sein. Es tut gut, solche Gedanken mitzuteilen und zu teilen. Da wird auch das kleine Heftchen mit dem Reisesegen in verschiedenen Sprachen gerne angenommen.

Ein Passagier fragt scherzhaft, ob er sich denn nun Sorgen machen muss, wenn schon die Flughafenseelsorge auftaucht, die wäre doch nur für Notfalleinsätze zuständig. Ich kann ihn beruhigen, dass die Flughafenseelsorge auch für die schönen Momente im Leben da ist, und wir lachen beide. Auch seine Banknachbarn freuen sich über seinen Scherz und darüber, dass es heute hier so friedlich ist.

Das Lesezeichen der Flughafenseelsorge, das ich den Passagieren für die Urlaubslektüre anbiete, wird von den vielen Leseratten unter den großen und kleinen Urlauberinnen und Urlaubern gern angenommen und es entwickelt sich ab und zu ein Gespräch mit Buchtipps oder über den Vorteil von E-Book-Readern.

Die Kinder, die aufgeregt darauf warten, dass es endlich ins Flugzeug geht, nehmen mit strahlenden Augen die Tütchen mit Weingummiflugzeugen an und gerne auch einen blauen Luftballon, der in die Hosentasche oder ins Reisegepäck wandert, damit es nicht im Flugzeug zu Aufregung über knallende Luftballons kommt. Manche Kinder sind eher schüchtern, andere plaudern gleich zutraulich oder sie lassen sich fürsorglich etwas für die Geschwister mitgeben. Auch einen Bastelbogen für einen Papierflieger haben wir für etwas größere Kinder – oder für erfreute Väter und Mütter.

Gute Wünsche, Reisesegen, Zuwendung und Anteilnahme an Freude oder Sorgen der Fluggäste verbreiten eine sehr positive Stimmung – nicht nur bei den Passagieren oder Mitarbeitenden des Flughafens, sondern auch bei meinem Kollegen und mir beim ehrenamtlichen Terminal-Einsatz der Flughafenseelsorge. Ich bin dankbar für so viele freundliche Begegnungen zwischen Himmel und Erde.

Iris Winter, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Flughafenseelsorge